Forschung
Cookie-Banner 2026: Fast jede Website hat einen, Daten fließen trotzdem früh

Im März haben wir über rund hundert Websites berichtet. Unser Leaderboard umfasst inzwischen über fünfhundert Websites aus fünf Märkten, genug für einen echten Ländervergleich. Wir haben die 558 Websites genommen, bei denen wir etwas messen konnten. Wo der Scanner keinen Banner fand, haben wir die Seite zusätzlich erneut im Browser geöffnet und die Screenshots durchgesehen.
Fast jede Website hat einen Banner
Alle 118 tschechischen Websites zeigen einen Cookie-Banner, in der Slowakei, in Deutschland und Österreich sind es 94–97 %. Ohne Banner kommen vor allem Behörden und die öffentlich-rechtlichen Sender aus (ARD, tagesschau, NDR …). Sie messen mit einem einzigen Analysetool (Piano) und zeigen keine Werbung.
Anders die großen US-Marken: Neun der 104 .com-Websites zeigen europäischen Besuchern gar keinen Banner, sechs davon laden trotzdem sofort Werbetools.
Jedes Land hat auch seinen bevorzugten Banner-Anbieter:
- Tschechien: Didomi (32 Websites, davon 10 über CPEx) und der Banner von Seznam (15)
- Slowakei: Didomi (19) und der Banner von Google (Funding Choices, 16)
- Deutschland: SourcePoint (28) und Usercentrics (21)
- Österreich: OneTrust (19) und Usercentrics (15)
- .com: OneTrust (40 von 92 Websites mit Banner)
Bei mehr als einem Viertel der Websites mit Banner ist er eine Eigenentwicklung oder der Anbieter nicht erkennbar. Die Banner von Seznam und Google erkennen wir am Markup der Seite, nicht an einem geladenen Skript.
Daten fließen, bevor jemand klickt
Einen Banner zu haben ist das eine. Ob die Website auf die Antwort wartet, das andere. Anteil der Websites, die Daten an Analyse- oder Werbetools senden, bevor der Besucher auf den Banner reagiert:
| Land | Vor der Antwort | Nach „Ablehnen“ |
|---|---|---|
| Tschechien | 86 % | 82 % |
| Slowakei | 86 % | 86 % |
| .com | 77 % | 72 % |
| Deutschland | 59 % | 55 % |
| Österreich | 52 % | 61 % |
Nicht jede solche Anfrage bedeutet dasselbe. Ein Teil sind Google-Pings ohne Cookies (der sogenannte Advanced Consent Mode), die Google genau für die Zeit vor der Einwilligung anbietet. Von den untersuchten Märkten nutzt ihn Tschechien am häufigsten: 61 % der tschechischen Websites mit GA4 senden solche Pings, in Deutschland nur 12 %. Lässt man die Pings weg, die nachweislich ohne Cookies laufen, bleibt der Abstand: Tschechien 75 %, Österreich 49 %.
Die Spalte „Ablehnen“ zählt nur Websites, auf denen unser Scanner den Banner ablehnen konnte. Man kann sie deshalb nicht direkt von der ersten Spalte abziehen (in Österreich liegt sie höher). Zusätzlich haben wir 16 Websites aus Tschechien, der Slowakei, Deutschland und .com noch einmal im Browser über einen normalen Heimanschluss geprüft. Das Ergebnis „sendet / sendet nicht vor der Einwilligung“ stimmte bei allen.
Tools: Google überall, der Rest ist lokal
Google Analytics 4 läuft auf 89 % der tschechischen und 95 % der slowakischen Websites, in Deutschland nur auf 52 %. Hier sehen wir öfter Adobe Analytics (20 % gegenüber 5 % in Tschechien). Ein Teil von GA4 kann sich auch hinter serverseitiger Messung verbergen, die wir von außen nicht sehen. Google Ads ist dagegen überall ähnlich verbreitet, auf 79–88 % der Websites.
Tschechische Websites setzen die meisten Tools ein (Median 10, sonst 8) und haben ein eigenes Werbe-Ökosystem:
- Seznam Sklik läuft auf 64 % der tschechischen Websites und fast nirgendwo sonst.
- Gemius (Reichweitenmessung für Medien) läuft in Tschechien auf 42 % der Websites, in der Slowakei auf 30 %. In Deutschland, Österreich und auf .com haben wir es nicht gefunden.
- Microsoft Clarity und Hotjar (Sitzungsaufzeichnungen und Heatmaps) sind in Tschechien und der Slowakei etwa doppelt so häufig wie in Deutschland. Clarity läuft auf 43 % der tschechischen Websites, auf .com nur auf 8 %.
Anderswo stechen andere Tools hervor: Deutschland testet mit Kameleoon (17 %), große .com-Websites nutzen den Snapchat Pixel (19 %).
Was man mitnehmen kann
Der Banner sieht meist gut aus. Dahinter laufen aber oft mehr Tools, als man denkt, und manche senden sofort. Ein GTM-Tag, das „auf allen Seiten“ feuert, reicht, damit der Banner auf nichts wartet.
Probieren Sie es selbst: Öffnen Sie Ihre Website in einem privaten Fenster, klicken Sie auf „Ablehnen“ und schauen Sie in den Entwicklertools (Tab Netzwerk), was die Seite weiter sendet. Oder prüfen Sie Ihre Website kostenlos: Der Check geht die Seite vor der Einwilligung, nach dem Akzeptieren und nach dem Ablehnen durch.
Daten: 558 Websites aus dem AnalyticsProof-Leaderboard (Tschechien 118, Slowakei 112, Deutschland 115, Österreich 109, .com 104), ein Scan pro Website aus der EU, letzter Scan September–Oktober 2026. Das Leaderboard ist eine Auswahl großer Websites nach Branche, keine Zufallsstichprobe des Webs.
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